Frage 12: Risikomanagement der Energiekosten

Die Energiepreise sind aktuell auf einem relativ niedrigen Niveau. Gibt es einen Plan, im Falle einer Verdopplung oder Verdreifachung der Energiepreise energieintensive Einrichtungen, wie z. B. Bäder, komplett zu schließen? Falls ja, ab welchem Energiepreisniveau sind diese Maßnahmen vorgesehen?

Falls nein, wie hoch sind die Mehrkosten für die Stadt Wuppertal insgesamt im Falle einer Verdopplung der aktuellen Energiepreise? Welche Maßnahmen sind im Einzelnen vorgesehen, um die bevorstehende Kostensteigerung im Energiebezug aufzufangen? Zu wie viel Prozent können die Kostensteigerungen bei einer angenommenen Verdopplung der Energiepreise innerhalb von 2 Jahren durch kompensatorische Maßnahmen aufgefangen werden?

Antwort des Oberbürgermeisters:

Es ist derzeit nicht vorgesehen, aufgrund oder in Folge von Energiepreissteigerungen bestimmte Einrichtungen der Stadt zu schließen. Die Energiekosten der Stadt belaufen sich für Gebäude, Verkehrssignalanlagen und öffentliche Beleuchtung derzeit auf ca. 15 Mio. € pro Jahr. Dies beinhaltet Kosten für alle Energieträger wie Strom, Erdgas, Fernwärme, Heizöl, Flüssiggas und auch Trinkwasser.

Die Preisentwicklung verläuft  üblicherweise für die unterschiedlichen Medien nicht in gleichem Umfang. So sind insbesondere die Medien mit hohem Anteil an Netzkosten, wie insbesondere Strom und Fernwärme, in ihrer Preisentwicklung gegenüber anderen Medien, wie Heizöl, gedämpft. Gleichwohl ist insgesamt für die Zukunft mit Preissteigerungen zu rechnen. Eine Verdoppelung der Energiepreise über die kommenden 10 Jahre kann nicht ausgeschlossen werden.

Die Antwort der Stadt auf steigende Energiepreise ist die systematische Erhöhung der Energieeffizienz bei der Energienutzung. In den Bädern ist dies in den vergangenen Jahren in besonderem Maße angegangen worden. Durch technische Innovation konnte bereits in verschiedenen Hallenbädern der Energiebedarf auf ca. die Hälfte des ursprünglich Notwendigen reduziert werden. Aktuell werden im Rahmen des Konjunkturpaketes II nun auch vergleichbare Modernisierungen in den Bädern Cronenberg und Uellendahl umgesetzt.

Ebenso wird im Rahmen der Modernisierung des Gebäudebestandes ein wesentlicher Aspekt auf die Minderung des Energiebedarfes gesetzt. Da dies allerdings mit der Erneuerung der gesamten Gebäudehülle einhergeht, ist eine vollständige Sanierung des Gebäudebestandes der Stadt Wuppertal ein langfristiges Projekt und wird in seiner Geschwindigkeit auch von den Finanzierungsspielräumen abhängen, die der Stadt Wuppertal in Zukunft weiter (noch) zur Verfügung stehen. Hier wird eine verstärkte finanzielle Unterstützung auch durch Bund und Land notwendig werden und auch gerechtfertigt sein. Schließlich wird der überwiegende Teil der öffentlichen Gebäude für die Daseinsfürsorge durch die  Städte und Gemeinden betrieben. Ihrer Sanierung im Sinne einer Zukunftsfähigkeit muss insofern als eine gesamtstaatliche Aufgabe verstanden werden.

Seit dem Jahr 2000 konnte das Gebäudemanagement der Stadt Wuppertal den Energieverbrauch seiner Liegenschaften um ca. 24% reduzieren. Über diesen  Zeitraum  konnten insgesamt ca. 15 Mio. € an Energiekosten vermieden werden.

Aktuell werden durch das Konjunkturpaket II umfängliche energetische Sanierungen bis zum Jahr 2011 umgesetzt. Insgesamt werden damit nach heutigen Energiepreisen Heizkosten von ca. 0,5 Mio. € / Jahr vermieden. Im Verbund mit energetischen Sanierungen, die außerhalb des Konjunkturpaketes laufen, sind dies ca. 0, 75 Mio. € / Jahr – das entspricht eine Reduktion der gesamten Heizkosten um ca. 10%. Bezogen auf die energetisch sanierten Gebäude wird der Heizenergiebedarf auf etwa die Hälfte zurückgehen.

Vor diesem Hintergrund wird die vollständige energetische Sanierung des Gebäudebestandes einen Zeitraum von wenigstens 20 – 30 Jahren umfassen. In diesem Zeitraum könnte dann der Energiebedarf der öffentlichen Gebäude der Stadt Wuppertal auf 25-50% des derzeitigen Bedarfes reduziert werden. Ob dies ausreicht, die  über diesen Zeitraum zu erwartenden Preissteigerungen der Energie zu kompensieren, kann heute nicht sicher beurteilt werden. Es gibt aber plausible Gründe, dass die Preissteigerungen die Einsparungen überschreiten werden.