Wer ist denn eigentlich für die Sicherung unserer Demokratie zuständig?

„Wenn niemand die Demokratie für seine eigene Angelegenheit hält, hat sie sich schon erledigt,“ schreibt Harald Welzer, Direktor am Kulturwissenschaftlichen Institut in Essen. Der Primat des Staatlichen und mit ihm der Vorrang, der demokratischen Verfahren und rechtsstaatlichen Prinzipien vor allem anderen zukam, verschwinde gerade vor aller Augen. Immer größere gesellschaftliche Gestaltungsbereiche würden aus dem Handlungsfeld der Politik in das des Marktes verlagert und damit entdemokratisiert.Und kein Philosoph oder Linguist, so Welzer, entlarve das Marktgefasel als Werfen von ideologischen Nebelkerzen, kein Politikwissenschaftler, keine Soziologin beschreibe den historisch beispiellosen Raubzug, der vor ihren Augen stattfinde, kein Historiker seine Folgen für die künftigen Blockierungen einer gestaltenden Bildungs-, Wissenschafts-, Umwelt-, Sozial- oder Gesundheitspolitik.

Verantwortungslos seien alle, die nicht eingreifen. Es stünde zu befürchten, dass Demokratien unter Stress an einer kollektiven Haltung von Unzuständigkeit scheiterten: „Wenn niemand die Demokratie für seine eigene Angelegenheit hält, hat sie sich schon erledigt.“

Quelle: http://www.tagesspiegel.de/kultur/debatte-demokratie-bin-ich-nicht-fuer-zustaendig/5976282.html