Werden Sie sich dafür einsetzen, dass die WSW einen Kundenbeirat einrichten?

Das Kompetenznetz Bürgerhaushalt möchte den Oberbürgermeisterwahlkampf inhaltlich bereichern. Wir haben deshalb fünf Kandidaten zu verschiedenen Aspekten der Bürgerbeteiligung befragt und veröffentlichen hier nach und nach die Antworten.

5. Frage: In immer mehr Kommunen richten die Stadtwerke einen Kundenbeirat ein. Werden Sie sich dafür einsetzen, dass auch die WSW einen Kundenbeirat einrichten?

Gunhild Böth
Damit ein Kundenbeirat nicht nur eine Alibifunktion hat, müssen zuvor seine Aufgaben und Kompetenzen geklärt werden. Durch Wahlen unter den Kund/innen könnten sicherlich Verbesserungen erreicht werden.

Peter Jung
Mir sind die verschiedenen Formate der Beteiligung, die seitens der WSW durchgeführt werden, bekannt: So führt die Verkehrssparte der WSW seit über zehn Jahren zwei bis drei Mal jährlich ein Kundenforum durch. Auch wenn die Kundenforen zwar ausdrücklich nicht als Fahrgastbeiräte gedacht sind, so geht es bei diesen Veranstaltungen, zu denen Abonnentinnen und Abonnenten der WSW gezielt zu bestimmten Themen – wie z.B. Fahrplan, Personal und Information, Kommunikation oder Tarife – eingeladen sind, darum, die Kundensicht kennenzulernen, Lob, Kritik und Verbesserungsvorschläge zu sammeln, zu diskutieren und in den Entwicklungsprozess einzubringen, sowie seitens der WSW-Verantwortlichen eine Rückmeldung zu geben
Im Gegensatz zu Kundenbeiräten ist der Teilnehmerkreis an diesen Veranstaltungen nicht für eine bestimmte Zeit festgelegt, sondern variiert; auch ist die Teilnahme auf maximal drei Foren beschränkt. Die WSW sind der Auffassung, dass Insgesamt aufgrund der erfolgreichen Implementierung und Akzeptanz der Kundenforen derzeit keine Veranlassung für die Einführung eines Kundenbeirates besteht.
Darüber hinaus bieten die WSW anlassbezogen auch Bürgerbeteiligungen mit Beiratscharakter an, wie dies z.B. bei der Auswahl des Designkonzepts für die neuen Schwebebahnen der Fall war.
Da Bürgerbeteiligung hier offenkundig gelingt, bedarf es aus meiner Sicht an dieser Stelle nicht meines Einsatzes mit Priorität für die Einführung eines Kundenbeirates. Da die Prozesse aber auch hier lebendig sind, kann es durchaus sein, dass in Zukunft auch andere Formate der Beteiligung sinnvoll sind.

Andreas Mucke
Dies halte ich für eine prinzipiell gute Idee, wenn dadurch beispielsweise beim ÖPNV Nutzer aus der Praxis Erfahrungen beisteuern können. M.W. hatten die WSW lange Zeit ein Kundenforum, was dieser Beiratsidee entspräche. Ein solcher Beirat könnte zumindest in kundenrelevanten Fragestellungen den WSW Hinweise oder Impulse geben, aber auch als
Plattform für die WSW dienen, um für die WSW Positionen eine breitere Öffentlichkeit zu erreichen. Allerdings muss geklärt werden, welche Legitimation ein Kundenbeirat hat. Wer wird durch wen entsendet? Handelt es sich um ‚Laien‘ oder ‚Experten‘, die beraten?

Beate Petersen
Ja, m.E. wird das auch in Wuppertal höchste Zeit! Gewinnen würden beide – die WSW und ihre Kunden. Die WSW könnten nachfrageorientierten ÖPNV anbieten, der tatsächlich den Bedürfnissen der Menschen entspricht. ÖPNV ist keine rein monetäre Entscheidung, sondern auch Lebensqualität und gutes Leben. Ideen, die allen Mobilität in ihrer Stadt ermöglicht, sollten auch ausprobiert werden – z.B. das solidarisches Bürgerticket (BI BUS). Wir werden zukünftig kaum mehr Geld zur Verfügung haben, müssen die Ressourcen aber besser nutzen – und zumindest die Grundbedürfnisse für alle sichern.

Marc Schulz
Mehr Transparenz in den städtischen Unternehmen ist für mich ein zentrales Anliegen. Daher finde ich den Gedanken richtig, die Bürgerinnen und Bürger stärker mit einzubeziehen und durch einen solchen Beirat ein direktes Bindeglied zwischen den städtischen Unternehmen und den Kundinnen und Kunden zu schaffen. Die WSW haben in der Verkehrssparte seit über zehn Jahren das sog. Kundenforum, das mehrmals im Jahr durchgeführt wird und – anders als z. B. der Kundenbeirat der Stadtwerke Leipzig, öffentlich tagt. Eine Ausweitung der Kundenbeteiligung auch auf die anderen Sparten halte ich grundsätzlich für sinnvoll, ob als Beirat oder als Forum muss dann noch miteinander diskutiert werden. Außerdem finde ich es wichtig, nicht nur die Stadtwerke in den Blick zu nehmen. Die Debatte um die Umstellung der Kontogebühren bei der Sparkasse zeigt, dass es auch in anderen städtischen Beteiligungen Anlass genug gibt, um eine engere Einbindung der Bürgerinnen und Bürger zu fördern. Das ist ein erster Schritt für mehr Transparenz und Bürgernähe bei den Beteiligungen der Stadt. Daseinsvorsorge muss gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürger, die auch die Kundinnen und Kunden sind, organisiert werden.

Veranstaltungsinformationen zur Podiumsdiskussion “Zukunft der Bürgerbeteiligung” mit fünf Oberbürgermeisterkandidaten am 13.08.2015 um 19:00 Uhr in der Färberei gibt es auf dieser Seite.

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